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Reptilienmagazin
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Wasserschildkröten artgerecht füttern

wasserschildkröte

Ein beliebtes ruhiges Haustier ist eine Wasserschildkröte hinsichtlich ihrer Ernährung nicht ganz anspruchslos. In den heimischen Aquaterrarien oder Paludarien werden mehrere Schildkrötenarten, darunter oft die attraktiven Zierschildkröten (Chrysemis) sowie Schmuckschildkröten (Pseudemys oder Trachemys), aber auch originelle Höckerschildkröten (Graptemys) gepflegt. Alle genannten Wasserschildkröten sind omnivor, das bedeutet: Auf dem Speiseplan dieser Reptilien steht sowohl pflanzliche als auch tierische Kost. Der Anteil von einzelnen Komponenten variiert freilich in Abhängigkeit von der Schildkrötenart und dem Alter der Tiere. In diesem Beitrag möchten wir zum einen einige allgemeinen Tipps zur Fütterung von Wasserschildkröten geben und zum anderen auf Futterpflanzen und -tiere hinweisen, die bei den Wasserschildkröten am besten ankommen und den Tieren auch guttun.

Wasserschildkröten füttern – Pflanzliche Kost immer, tierisches Futter rationiert

In ihrer natürlichen Umgebung finden die Schildkröten eine üppige Pflanzenwelt vor, sodass sie in dieser Hinsicht keinen Mangel leiden. Um die Beutetiere treten die Wasserschildkröten miteinander in Konkurrenz, denn diese Nahrungsmittel sind knapp.

  1. Daher lautet auch die erste Fütterungsregel: Pflanzen sollen immer verfügbar sein, tierische Futtermittel sind sparsam zu dosieren. Es empfiehlt sich, Futtertiere nicht jeden Tag, sondern drei bis viermal pro Woche zu geben.
  2. Die zweite Regel ist: Unbedingt die Besonderheiten einer Schildkrötenart berücksichtigen. Während das Verhältnis von pflanzlicher zu tierischer Kost bei den Zier- und Schmuckschildkröten im Schnitt 3:2 beträgt, ernähren sich Höckerschildkröten zu 80 Prozent von Fleisch.
  3. Weiterhin spielt bei der Erstellung des Futterplans das Alter der Schildkröten eine wichtige Rolle. Junge Wasserschildkröten brauchen vergleichsweise mehr tierische Kost und jagen gerne. Jedoch bereits bei einer 10 Zentimeter großen Schildkröte beträgt das Verhältnis von pflanzlicher zu tierischer Kost 1:1, mit dem Alter nimmt der Anteil von tierischen Produkten in der Ernährung kontinuierlich ab.
  4. Artgerecht füttern heißt abwechslungsreich füttern, denn in der freien Wildbahn stehen auf dem Speiseplan einer Schildkröte Tausende Futterarten. Solche Flexibilität ist eine geniale Überlebensstrategie, nicht zufällig bewohnen die Wasserschildkröten seit Jahrmillionen unseren Planeten.
  5. Schildkrötenpellets und -sticks sind ein durchaus brauchbares Futtermittel, ersetzen aber keineswegs eine abwechslungsreiche Ernährung.

Futterpflanzen für Wasserschildkröten – fein und köstlich

Ein wichtiger Hinweis vorab: Wassergebunden lebende Schildkröten ernähren sich vorwiegend von aquatischer Flora. Weder Obst noch Gemüse sind ein geeignetes Futter für diese Reptilien! Allein die Blattsalate können ab und an verfüttert werden, zum Beispiel der Romana-Salat. Die Grundlage der pflanzlichen Komponente der Schildkröten-Ernährung bilden die bekannten Aquarienpflanzen, allen voran solche fein fiedrige Stängelpflanzen wie das Hornkraut (Ceratophyllum demersum), das Nixkraut (Naja conferta) oder die Wasserpest (Elodea). Unter den Schwimmpflanzen zählen zum Beispiel Froschbiss (Hydrocharis morsus-ranae) oder das Teichlebermoos (Riccia fluitans) zu den bewährten Futterpflanzen für die Wasserschildkröten. Tipp: Die genannten Wasserpflanzen sind anspruchslos und schnellwachsend, daher ist es kein Problem, die Gewächse in einem kleineren Becken selbst zu ziehen. Als eine günstige Variante bieten sich hier In-Vitro-Pflanzen an.

Futtertiere – von Mückenlarven über Bachflohkrebse bis hin zu Seidenraupenpuppen

Das Angebot an Futtertieren für die Wasserschildkröten ist in der Tat ziemlich breit, sodass eine abwechslungsreiche Ernährung kein Problem darstellt. Auf der Beliebtheitsskala stehen die Bachflohkrebse (Gammarus pulex und Gammarus fossarum) ganz oben. Die Krebstiere liefern den Schildkröten neben den lebensnotwendigen Proteinen den natürlichen Farbstoff Astaxanthin und außerdem eine Menge an Ballast- und Mineralstoffen. Die Seidenraupenpuppen, ein Nebenprodukt der Serikultur, sind ein äußerst nahrhaftes Futtermittel und enthalten bis zu 30 Prozent Fett. Daher sind die Seidenraupenpuppen nur sparsam zu verfüttern. Schwarze, rote und Weiße Mückenlarven werden von den meisten Schildkröten gerne genommen. Diese eiweißreiche, aber nicht allzu fettige Kost ist übrigens ideal für die Aufzucht der Schlüpflinge. Mehrwürmer, die Larven des Mehlkäfers, sind dagegen fett- und proteinreich. Auf Wunsch lassen sich die Mehlwürmer ohne Weiteres daheim züchten. Heimchen, Asseln und Schaben schmecken den Wasserschildkröten ebenfalls ganz gut. Es lohnt sich, diese Futtertiere nach dem Kauf im Zoogeschäft einige Tage intensiv mit Fischfutter oder Löwenzahn zu versorgen, um sie noch nährstoffreicher zu machen. Wasserschildkröten füttern ist eine spannende Aufgabe und der Höhepunkt des Tages für Mensch und Tier. Für eine artgerechte, naturnahe Fütterung bedankt sich die Schildkröte mit einem langen Leben – diese Tiere werden übrigens bis zu 50 Jahre alt.

 

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